Der Beitrag untersucht die Darstellung der Nachkriegsgesellschaft in Hans Leberts Erzählung „Das Schiff im Gebirge“ (1993) unter Anwendung der Sozioanalyse literarischer Texte von Pierre Bourdieu. Die Sozioanalyse von Bourdieu basiert auf seinen drei Konzepten des Feldes, Habitus und Kapitals. Diese drei Konzepte werden im theoretischen Teil der Untersuchung aus Bourdieus Perspektive erläutert, um eine theoretische Grundlage für den analytischen Teil des Beitrags zu schaffen. Im analytischen Teil des Beitrags wird die Genese und Hysteresis des Habitus des Protagonisten Erdmann dargestellt. Dabei wird beleuchtet, wie sich seine individuellen Dispositionen manifestieren und wie sie in einen Konflikt mit den Strukturen der sozialen Felder der Nachkriegszeit geraten. Die Stadt und das Bergdorf Lur werden anschließend als soziale Felder betrachtet, die von eigenen Gesetzen geregelt sind und zugleich als Teilbereiche des sozialen Raums der Nachkriegszeit gelten. Andere Figuren aus der Erzählung, die Mutter, Lilli und die Fremde, werden immer im Zusammenhang mit Erdmanns Habitus und seiner Position in den jeweiligen Feldern untersucht. Das Kapital Erdmanns und der Nebenfiguren wird in seiner vierfachen Ausprägung als ökonomisches, soziales, kulturelles und symbolisches Kapital
untersucht, wobei der Fokus auf der Entwertung jeder Ausprägung in der Nachkriegszeit liegt. Das Ziel des Beitrags ist es, durch die Anwendung der Sozioanalyse Bourdieus aufzuzeigen, wie Leberts Erzählung die Struktur der sozialen Welt reproduziert und darstellt, indem das Zusammenspiel der Konzepte Bourdieus innerhalb der sozialen Felder beleuchtet wird.
This is an open access article distributed under the Creative Commons Attribution License which permits unrestricted use, distribution, and reproduction in any medium, provided the original work is properly cited.
0
The statements, opinions and data contained in the journal are solely those of the individual authors and contributors and not of the publisher and the editor(s). We stay neutral with regard to jurisdictional claims in published maps and institutional affiliations.